Executive Presence

Warum manche Menschen einen Raum verändern, bevor sie ein Wort sagen

Es gibt einen Moment, den fast jeder kennt ― und kaum jemand benennen kann.Jemand betritt den Raum. Noch nichts gesagt. Noch keine Folie gezeigt. Und trotzdem spürt man es sofort: Diese Person hat etwas. Die Gespräche werden leiser, die Aufmerksamkeit wandert, etwas im Raum ordnet sich neu.
Wir nennen es Executive Presence. Und die meisten halten es für ein Geschenk der Geburt ― für etwas, das man entweder hat oder eben nicht. Das ist der erste und folgenreichste Irrtum in der Kommunikation von Führungskräften.

Was wirklich passiert ― in Millisekunden
Der Psychologe Nalini Ambady hat in einem vielzitierten Experiment gezeigt, dass Menschen aus einem zehn Sekunden langen Videoclip ohne Ton präzise Urteile über Kompetenz, Wärme und Vertrauenswürdigkeit einer Person fällen ― und dass diese Urteile erschreckend stabil bleiben, auch wenn man sie später mit mehr Informationen konfrontiert.
Unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, neutral zu beobachten. Es ist darauf ausgelegt, schnell zu entscheiden. Vertrauen oder Vorsicht. Folgen oder abwarten. Zuhören oder nur so tun als ob.
Und die Signale, auf die es sich dabei stützt, sind nicht Ihre Argumente. Es sind Ihre Haltung. Ihre Stimme. Ihr Blick. Ihr Atem.

Die Stimme verrät, was der Kopf versteckt
Als Journalistin habe ich über zwanzig Jahre auf der anderen Seite des Mikrofons gearbeitet. Ich habe gelernt: Man hört alles, was jemand nicht sagen will. Die Stimme, die am Satzende hochgeht ― als wäre jede Aussage eine Frage. Das Tempo, das unter Druck kippt ― zu schnell, zu flach, zu kontrolliert. Die Füllwörter, die wie kleine Schutzwälle funktionieren: ähm, sozusagen, im Grunde genommen.
Das sind keine schlechten Angewohnheiten. Das sind Zeichen von Anspannung. Von einem Nervensystem im Alarmmodus. Und Nervensysteme ― das weiß die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges ― kommunizieren direkt mit dem Nervensystem des Gegenübers.
Das bedeutet: Wer angespannt ist, erzeugt Anspannung im Raum. Wer präsent ist, erzeugt Präsenz.

Executive Presence ist kein Talent. Es ist ein Zustand.
Und hier liegt die gute Nachricht. Zustände lassen sich verändern. Nicht durch Willenskraft. Nicht durch noch mehr Vorbereitung. Sondern durch etwas, das wir alle ständig tun ― und fast nie bewusst nutzen:
Den Atem.
Ein einziger vollständiger Ausatem senkt nachweislich den Cortisolspiegel, aktiviert den Parasympathikus und reguliert das Nervensystem. Schultern sinken. Kiefer löst sich. Stimme öffnet sich. Das ist keine Entspannungstechnik. Das ist Physiologie.
In meiner Arbeit mit Führungskräften ist das oft der Moment, in dem alles kippt. Nicht die zehnte Übungsrunde. Nicht die perfektere Folie. Sondern eine Sekunde bewussten Ausatmens ― und plötzlich ist da jemand anderes im Raum. Dieselbe Person. Dieselben Worte. Und eine vollkommen andere Wirkung.

Was das für Ihre Führung bedeutet
Executive Presence beginnt nicht auf der Bühne. Sie beginnt in dem Moment, bevor Sie eintreten. Im Aufzug. Im Gang vor dem Besprechungsraum. In der Sekunde, bevor die Kamera angeht. Sie ist keine Frage von Charisma oder Extrovertiertheit. Introvertierte Führungskräfte, die ihren Zustand kennen und regulieren können, haben oft mehr Präsenz als extrovertierte, die ihre Energie unkontrolliert in den Raum entladen. Der Unterschied liegt nicht in der Lautstärke. Er liegt in der Klarheit.
Wer innerlich klar ist, klingt klar. Wer innerlich präsent ist, ist es auch im Raum. Strahlkraft lässt sich nicht trainieren. Sie wird verkörpert, und daran lässt sich arbeiten, ganzheitlich.

Ich bin Sprechwissenschaftlerin, Journalistin und Gründerin von Vibrant Speaking ― The Inner Voice Method™, und arbeite mit Führungskräften und Teams, die in exponierten Momenten nicht nur kompetent klingen, sondern wirklich wirken wollen.
Wenn Sie mehr erfahren möchten, kontaktieren Sie mich gerne!

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Und was wirklich entscheidet, ob deine Worte wirken

Perfekte Sätze reichen nicht. Menschen folgen keiner Formulierung – sie folgen einem Zustand.

Der Raum ist still. Nicht die gute Stille. Nicht diese gespannte, lebendige Aufmerksamkeit kurz bevor etwas beginnt. Sondern die andere. Die, in der etwas fehlt. Vor mir steht ein Mann, perfekt vorbereitet. Maßgeschneiderter Anzug, klare Botschaften, sauber strukturierte Argumente. Er spricht über Zahlen, Strategien, Visionen. Alles ist richtig. Alles ist durchdacht. Und doch passiert nichts. Er kann keine Verbindung herstellen mit dem Publikum. Keine Bewegung im Raum. Kein inneres Andocken. Kein Moment, in dem jemand wirklich erreicht wird. Ich habe diesen Moment in über 25 Jahren Journalismus unzählige Male erlebt. In Pressekonferenzen, Interviews, Krisensituationen. Was ist da passiert? Nicht der Inhalt entscheidet. Sondern das, was zwischen den Zeilen passiert.

Worte sind nicht das, was wirkt
In der klassischen Kommunikationslehre steht der Inhalt im Zentrum. Argumente. Struktur. Storytelling. Doch Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie – unter anderem von Albert Mehrabian – zeigen, dass Wirkung zu einem großen Teil nonverbal entsteht: über Tonfall, Körpersprache, innere Haltung. Auch wenn Modelle oft vereinfacht werden, bleibt der Kern bestehen: Menschen reagieren nicht zuerst auf Worte, sondern auf das Gesamtbild, das ein Mensch ausstrahlt. Die Neurowissenschaften gehen noch weiter. Unser Nervensystem scannt permanent: Ist mein Gegenüber sicher? Ist er stimmig? Kann ich ihm vertrauen? Diese Prozesse laufen unbewusst – und entscheiden trotzdem über Wirkung. Die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges beschreibt genau das: Wie fein wir auf Stimme, Mimik und Körperspannung reagieren. Deine Stimme ist nicht nur ein Werkzeug. Sie ist ein Signal.

Wenn der Druck steigt, zeigt sich die Wahrheit
Viele Menschen wirken souverän – solange es ruhig ist. Doch sobald Druck entsteht, verändert sich etwas. Die Stimme wird höher. Schneller. Dünner. Der Körper spannt an. Präsenz geht verloren. Nicht, weil Wissen fehlt. Sondern weil das System kippt. Genau hier liegt der blinde Fleck klassischer Präsentationstrainings. Sie trainieren Inhalte, aber nicht den Zustand, in dem diese Inhalte gesprochen werden. Doch Wirkung entsteht nicht im Satz. Sie entsteht im Zustand dahinter. Wenn dein Körper Unsicherheit sendet, wird selbst die beste Botschaft leise.

Die Ebene, über die niemand spricht
Es gibt diesen Moment, den jeder kennt. Jemand beginnt zu sprechen – und plötzlich wird es still im Raum. Nicht, weil die Stimme lauter ist. Sondern weil sie getragen ist. Was hier passiert, wird oft als Präsenz beschrieben. Oder als Kohärenz. Oder – weniger greifbar – als Energie. Studien zur emotionalen Übertragung zeigen, dass sich Zustände zwischen Menschen angleichen. Über Stimme, Mimik, feinste Signale. Du kommunizierst immer. Auch dann, wenn du nichts sagst.

Was wirklich überzeugt
Nach all den Jahren ist die Erkenntnis klar: Vorbereitung schützt nicht vor Wirkungslosigkeit. Was den Unterschied macht, ist nicht das perfekte Wording. Es ist die Fähigkeit, präsent zu bleiben, wenn es darauf ankommt. Zu sprechen, ohne sich zu verlieren. Zu stehen, ohne innerlich auszuweichen. Im Raum zu bleiben, auch wenn Gegenwind kommt. Das ist keine Frage von Talent. Es ist eine Frage der Arbeit. An genau den Stellen, die die meisten überspringen.

Und vielleicht kennst du diesen Moment
Du weißt, was du sagen willst. Aber deine Stimme trägt dich nicht. Dein Körper ist nicht da. Etwas in dir zieht sich zurück. Und genau hier entscheidet sich Wirkung. Nicht auf der Ebene der Worte. Sondern darunter. Dort, wo Stimme, Körper und innere Haltung eins werden. Vielleicht beginnt echte Überzeugungskraft genau hier: nicht bei der Frage, was du sagst – sondern wer du bist, wenn du es sagst.

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Wie wir mit hirngerechten Strukturen ein erfülltes Leben kreieren

Wer neue Verhaltensmuster etablieren will, muss dranbleiben, aber vorher Platz schaffen im Kopf. Wie das funktioniert verrät uns Yvonne Diewald, Neurocoachin und Transformationsexpertin im Interview über ihr neues Buch REMIND – Dein Gehirn kann mehr als du glaubst!

Kein anderes Organ benötigt soviel Energie, wie unser Gehirn. darum liegt der Schluss nahe, unser Gehirn tut alles dafür, um zu sparen. Für uns und unsere Verhaltensmuster nicht immer förderlich, wenn wir etwas verändern wollen. Ein „gutes“, aber neues Muster, durch ein altes zu ersetzen, das kann schwer werden, aber warum? „Weil wir oft nicht erkennen, dass zuvor das alte Muster weg muss aus unserem Kopf, weil unser Gehirn, immer, und ich meine wirklich immer, auf das alte zurückgreift“, so Diewald.

Aber warum ist das so? Ganz simpel, weil es Energie sparen will. Dem Gehirmn ist es primär völlig schnuppe, ob wir als Mensch etwas für ein positives oder negatives Muster erachten, es ist im Gegensatz zu uns völlig wertfrei. Es verarbeitet eingehende Impulse, egal ob es eine Sinneswahrnehmung ist, ein Musekelimpuls oder ob als Reaktion auf ein Verhalten, ein altes Muster „getriggert“ wird.

Ein Beispiel aus dem Alltag – neue Muster schaffen

Eine junge Frau, wünscht sich mehr Bewegung und möchte einen gesünderen Lebensstil etablieren. Sie schildert folgendes Dilemma:
„Immer wieder läuft es nach dem gleichen Muster, jedesmal tappe ich in die gleiche Falle, jeden Abend die große Ernüchterung, nachdem ich wieder mal gescheitert bin. Morgen, morgen früh fang ich damit an, 30. Minuten Bewegung, jeden Tag, kann doch nicht so schwer sein. 
Und wieder war der Tag vorbei, und wieder hab ich nicht angefangen? was läuft da eigentlich bei mir schief?“ 

Seit dem Gespräch mit Yvonne Diewald weiß die junge Frau mehr: „Es ist ein neuronales Muster, das seinen Job macht, mich nämlich schön da zu halten wo ich gerade bin, wie bitte?! Ja richtig gehört!“

Aber warum ist das so? Die Erklärung ist einfach, um Energie zu sparen. Den unser Gehirn liebt es Energie zu sparen. Wenn wir etwas Neues lernen kommt unser Präfrontaler Cortex ins Spiel, dort sitzen die Pyramiedenzellen, und die brauchen unendlich viel Energie und sind sehr langsam. Das ist der Grund warum es uns am Anfang soviel Kraft kostet. Sobald unser Gehirn jedoch ein Muster erkennt, will es diesen Impuls in einen anderen Bereich des Gehirns auslagern, der sitzt hinten im Kopf, und den Job von den Basalganglien erledigten lassen. Warum? Weil sie enorm schnell sind und wenig Energie brauchen. Das kuriose an der Sache ist, beide Gehirnareale sind nicht miteinander verknüpft.

Was uterscheidet diese von Diewalds Ansatz: „Sie sind damit beschäftigt, die neuen Muster zu schaffen, vergessen aber das im „Wir planen vorne, aber hinten sitzt das alte Programm, und wir haben keinen Zugriff darauf!“
Will heißen, die alten Muster müssen erst mal raus, bevor die neuen greifen.

Erfolgreich Ziele umsetzen

Was unterscheidet nun aber die Menschen, die ihre Ziele erfolgreich umsetzen von denen, die scheitern? Es ist nur eine einzige Sache, sie haben eine Struktur im Kopf, die sagt: „Ich schaffe das, komme was wolle! Sie haben ein klares Ziel, allein die Aussage: „Ja ich versuche das mal…!“, ist geplantes Scheitern. Denn das Ergebnis klar vor Augen zu haben, ist der einzige kleine aber feine Unterschied, der den Erfolg ausmacht!“, so die Neurocoachin.

Zurück zum Beispiel der jungen Frau. Was würde ihr jetzt helfen? Neben der Selbstreflektion, welches alte Muster gerade bei ihr abläuft, dieses ganz gezielt unterbrechen, immer und immer wieder. Parallel für das neue Muster Impulse setzen, und zwar solange bis das neue Muster auf Autopilot läuft. Und wenns schwer wird, die tiefe Überzeugung: „Ich schaffe das!“, ganz fokussiert zu bleiben, bis aus den anfänglichen Mühen ein neuronales Muster wird, weil die Basalganglien jetzt den Job erledigen, und Scheitern gedanklich keine Option mehr ist. Denn unser Gehirn kennt nur ein JA oder NEIN!

Sabine Schüller

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