Wie wir mit hirngerechten Strukturen ein erfülltes Leben kreieren
Wer neue Verhaltensmuster etablieren will, muss dranbleiben, aber vorher Platz schaffen im Kopf. Wie das funktioniert verrät uns Yvonne Diewald, Neurocoachin und Transformationsexpertin im Interview über ihr neues Buch REMIND – Dein Gehirn kann mehr als du glaubst!
Kein anderes Organ benötigt soviel Energie, wie unser Gehirn. darum liegt der Schluss nahe, unser Gehirn tut alles dafür, um zu sparen. Für uns und unsere Verhaltensmuster nicht immer förderlich, wenn wir etwas verändern wollen. Ein „gutes“, aber neues Muster, durch ein altes zu ersetzen, das kann schwer werden, aber warum? „Weil wir oft nicht erkennen, dass zuvor das alte Muster weg muss aus unserem Kopf, weil unser Gehirn, immer, und ich meine wirklich immer, auf das alte zurückgreift“, so Diewald.
Aber warum ist das so? Ganz simpel, weil es Energie sparen will. Dem Gehirmn ist es primär völlig schnuppe, ob wir als Mensch etwas für ein positives oder negatives Muster erachten, es ist im Gegensatz zu uns völlig wertfrei. Es verarbeitet eingehende Impulse, egal ob es eine Sinneswahrnehmung ist, ein Musekelimpuls oder ob als Reaktion auf ein Verhalten, ein altes Muster „getriggert“ wird.
Ein Beispiel aus dem Alltag – neue Muster schaffen
Eine junge Frau, wünscht sich mehr Bewegung und möchte einen gesünderen Lebensstil etablieren. Sie schildert folgendes Dilemma:
„Immer wieder läuft es nach dem gleichen Muster, jedesmal tappe ich in die gleiche Falle, jeden Abend die große Ernüchterung, nachdem ich wieder mal gescheitert bin. Morgen, morgen früh fang ich damit an, 30. Minuten Bewegung, jeden Tag, kann doch nicht so schwer sein.
Und wieder war der Tag vorbei, und wieder hab ich nicht angefangen? was läuft da eigentlich bei mir schief?“
Seit dem Gespräch mit Yvonne Diewald weiß die junge Frau mehr: „Es ist ein neuronales Muster, das seinen Job macht, mich nämlich schön da zu halten wo ich gerade bin, wie bitte?! Ja richtig gehört!“
Aber warum ist das so? Die Erklärung ist einfach, um Energie zu sparen. Den unser Gehirn liebt es Energie zu sparen. Wenn wir etwas Neues lernen kommt unser Präfrontaler Cortex ins Spiel, dort sitzen die Pyramiedenzellen, und die brauchen unendlich viel Energie und sind sehr langsam. Das ist der Grund warum es uns am Anfang soviel Kraft kostet. Sobald unser Gehirn jedoch ein Muster erkennt, will es diesen Impuls in einen anderen Bereich des Gehirns auslagern, der sitzt hinten im Kopf, und den Job von den Basalganglien erledigten lassen. Warum? Weil sie enorm schnell sind und wenig Energie brauchen. Das kuriose an der Sache ist, beide Gehirnareale sind nicht miteinander verknüpft.
Was uterscheidet diese von Diewalds Ansatz: „Sie sind damit beschäftigt, die neuen Muster zu schaffen, vergessen aber das im „Wir planen vorne, aber hinten sitzt das alte Programm, und wir haben keinen Zugriff darauf!“
Will heißen, die alten Muster müssen erst mal raus, bevor die neuen greifen.
Erfolgreich Ziele umsetzen
Was unterscheidet nun aber die Menschen, die ihre Ziele erfolgreich umsetzen von denen, die scheitern? Es ist nur eine einzige Sache, sie haben eine Struktur im Kopf, die sagt: „Ich schaffe das, komme was wolle! Sie haben ein klares Ziel, allein die Aussage: „Ja ich versuche das mal…!“, ist geplantes Scheitern. Denn das Ergebnis klar vor Augen zu haben, ist der einzige kleine aber feine Unterschied, der den Erfolg ausmacht!“, so die Neurocoachin.
Zurück zum Beispiel der jungen Frau. Was würde ihr jetzt helfen? Neben der Selbstreflektion, welches alte Muster gerade bei ihr abläuft, dieses ganz gezielt unterbrechen, immer und immer wieder. Parallel für das neue Muster Impulse setzen, und zwar solange bis das neue Muster auf Autopilot läuft. Und wenns schwer wird, die tiefe Überzeugung: „Ich schaffe das!“, ganz fokussiert zu bleiben, bis aus den anfänglichen Mühen ein neuronales Muster wird, weil die Basalganglien jetzt den Job erledigen, und Scheitern gedanklich keine Option mehr ist. Denn unser Gehirn kennt nur ein JA oder NEIN!
Sabine Schüller